Erfahre, welche Symptome und Anzeichen sich hinter einer Endometriose verbergen, ihr Einfluss auf die Fruchtbarkeit und Behandlungsmöglichkeiten.

Key Facts

  • Typische Anzeichen von Endometriose sind starke Regelblutungen (mit Blutklumpen), heftige Regelschmerzen, Blähungen oder Schmerzen beim Sex
  • Bis zur Diagnose vergehen durchschnittlich 7 Jahre
  • Mit einem Speicheltest kannst du testen, ob du Endometriose hast
  • Mittels Ultraschall, MRI und Bauchspiegelung kann Endometriose diagnostiziert werden
  • Endometriose kann mit Schmerzmitteln, Hormontherapie, operativ oder alternativen Therapien behandelt werden

Einleitung

Woran kannst du Endometriose erkennen? Starke Schmerzen im Unterleib während deiner Periode oder Unfruchtbarkeit können Anzeichen einer Endometriose sein. In diesem Artikel erklären wir dir alles von den Symptomen einer Endometriose, bis hin zu Ursachen und Diagnose.

Woran kann ich Endometriose erkennen?

Endometriose erkennst du an vielen Anzeichen. Mögliche Symptome können sein: schmerzhafte Regelblutungen, Menstruationsblutung mit Blutklumpen (Koagel) oder Schmerzen beim Stuhlgang. Die Symptome können breit gefächert sein und reichen von symptomlos bis hochgradig symptomatisch. Sie sind unterschiedlich stark ausgeprägt und treten in verschiedenen Lebensphasen auf.

In diesem Video erfährst du, welche Symptome bei Endometriose auftreten und wodurch sie verursacht werden (zum Abspielen des Videos einfach auf das Bild klicken):

Zu den häufigsten Symptomen der Endometriose gehören:

Kann ich selbst einen Endometriose Test machen?

Seit 2022 gibt es einen Speicheltest auf dem Markt, mit dem eines microRNA-Profils Endometriose nachgewiesen werden kann. In der Schweiz läuft dieser Test unter "Flüssigbiopsie" und wird von der Grundversicherung übernommen. Erste Studien sind vielversprechend. Jedoch kann dieser Test nicht klären, wie ausgeprägt die Endometriose ist, wo sich die Herde befinden und welche Beeinträchtigen für deine Fruchtbarkeit bestehen.

Speicheltest Endometriose
Wie gut der Speicheltest Endometriose erkennt, wird sich noch zeigen

Wie wird Endometriose diagnostiziert?

Endometriose ist schwer zu diagnostizieren, da sie sich auf sehr unterschiedliche Weise äussert. Es kann mehrere Jahre dauern, bis eine Diagnose gestellt wird. Die Diagnose läuft dabei wie folgt ab:

1) Anamnese

In einem ausführlichen Gespräch mit deinem Arzt oder deiner Ärztin besprecht ihr ausführlich alle Details zu deiner Monatsblutung und deinen Beschwerden. Gegenstand des Gesprächs werden auch gynäkologische Erkrankungen in der Familie sowie Operationen oder andere Vorerkrankungen sein.

2) Gynäkologische Untersuchung

Endometriose lässt sich leider nur selten bei bei einer gynäkologischen Untersuchung erkennen und lokalisieren, es sei denn, die Endometrioseherde, Verklebungen oder Verwachsungen befinden sich am Gebärmutterhals, an den Bändern, die die Gebärmutter umgeben, oder zwischen Scheide und Rektum.

3) Bildgebende Untersuchung

Ärzt:innen führen häufig eine transvaginale Ultraschalluntersuchung durch (Ultraschall über die Scheide), wobei jedoch nur Endometrioseherde in der Gebärmutter und den Eierstöcken erkannt werden können, nicht aber an anderen Stellen. Darüber hinaus kann eine Magnetresonanztomographie (MRI) durchgeführt werden, mit der auch sehr kleine Herde festgestellt werden können.

4) Bauchspiegelung

Die Goldstandard bei der Endometriosediagnose ist die Bauchspiegelung (oder Laparoskopie). Bei der Laparoskopie handelt es sich um einen einfachen operativen Eingriff, bei dem in der Regel drei kleine Schnitte im Unterbauch direkt unterhalb des Bauchnabels vorgenommen werden. Über die Schnitte wird ein Schlauch eingeführt, an dessen Ende eine Kamera befestigt ist (ein Laparoskop). Dadurch kann es den Bauchraum und die Beckenhöhle untersuchen und die Lage sowie das Ausmass der Endometrioseherde und Verwachsungen sichtbar machen.

Während der Bauchspiegelung kann gleichzeitig eine Therapie der Endometriose erfolgen und Wucherungen direkt entfernt werden. Ebenso kann eine Biopsie (Entnahme einer Gewebeprobe) der Herde oder der Schleimhautzellen durchgeführt werden.

Behandlungsmöglichkeiten bei Endometriose

Die Behandlung der Endometriose hängt von den Symptomen ab, die behandelt werden sollen, z. B. von der Schmerzlinderung und davon, ob du schwanger werden möchtest.

  • Schmerzmittel (Ibuprofen, Paracetamol)
  • Hormontherapie zur Wiederherstellung des hormonellen Gleichgewichts abzielen. Dazu gehören Gonadotropin-Releasing-Hormone (GnRH)-Agonisten, GnRH-Analoga oder Aromatasehemmer. Andere erhöhen den Progesteronspiegel, wie z. B. die Anti-Baby-Pille oder Progesterontherapie (auch Gestagene genannt) versuchen, die für jene Frauen geeignet ist, die bei der Einnahme von Östrogen Nebenwirkungen haben. Ärzt:innen können auch eine Kombination verschiedener Therapien empfehlen.
  • Operative Eingriffe (Bauchspiegelung, Blasenspiegelung, Darmspiegelung, Entfernung von Endometriomen/Schokoladenzysten)
  • Ovulationsinduktion mit GnRH-Agonisten mit FSH und luteinisierendem Hormon oder Letrozol
  • Alternative Therapien z. B. Akupunktur, Massagen, Osteopathie, pflanzliche Arzneimittel, spezielle Ernährung bei Endometriose
Therapie Endometriose
Massagen, Akupunktur und Osteopathie können das Gewebe lockern

Was ist Endometriose?

Endometriose ist eine Erkrankung, bei der sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ähnelt, ausserhalb der Gebärmutterhöhle (meist im Beckenraum) ansiedelt.

In extrem seltenen Fällen breitet sich dieses Gewebe auch in anderen Teilen des Körpers aus, z. B. in der Lunge, der Leber und der Milz.

Die Gebärmutterschleimhautzellen können sich den Eierstöcken, den Eileitern, der Blase, dem Darm und dem Bauchfell (Peritoneum) ansiedeln. Das gebärmutterschleimhautähnliche Gewebe stellt dort eine Blutversorgung her und wächst, um Endometrioseherde (Läsionen) oder Implantate zu bilden. Auch zwischen den Gewebeteilen und den Fortpflanzungsorganen in der unteren Bauchhöhle bilden sich Verwachsungen, d. h. Narbengewebe, das durch diese Endometrioseherde verursacht wird.

Das der Gebärmutterschleimhaut ähnliche verlagerte Gewebe verhält sich so, als befände es sich noch in der Gebärmutter und verdickt sich daher, zerfällt und „blutet“ als Reaktion auf die hormonellen Schwankungen während des Menstruationszyklus. Das Blut ausserhalb der Gebärmutter kann nicht abfliessen, wodurch chronische Entzündungen und Schmerzen verursacht werden, die für die betroffene Frau sehr belastend sein können.

Erfahre mehr über Endometriose im Podcast mit Dr. Anne Fleck "Messerstiche im Bauch - Was bei Endometriose hilft".

Kann Endometriose zu Unfruchtbarkeit führen?

Ja, neuesten Erkenntnissen zufolge ist etwa ein Drittel der Endometriose-Patientinnen von Unfruchtbarkeit betroffen, was nahezu doppelt so hoch ist im Vergleich zu Frauen, die nicht an dieser Krankheit leiden.

Eine kürzlich durchgeführte Studie hat ausserdem gezeigt, dass Endometriose mit zusätzlichen chronischen Erkrankungen wie Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Diabetes, Krebs und Nierenerkrankungen in Verbindung stehen kann.
Unfruchtbarkeit Endometriose
Frauen mit Endometriose leiden häufiger an Unfruchtbarkeit

Bei „gesunden“ Paaren liegt die monatliche Fruchtbarkeitsrate zwischen 15 und 20 %, während Frauen mit unbehandelter Endometriose eine Fruchtbarkeitsrate von 2 bis 10 % haben, allerdings sind diese Daten etwas veraltet und die Werte könnten auch höher ausfallen. Hierfür gibt es mehrere Gründe:

  • Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr: Schmerzen beim Sex sind ein häufiges Leiden bei Frauen mit Endometriose. Wenn du versuchst, schwanger zu werden, aber Schmerzen dich daran hindern, den vollständigen Geschlechtsverkehr zu vollziehen, wird keine Schwangerschaft eintreten.
  • Verwachsungen im Becken: Endometrioseverwachsungen können im Bereich der Gebärmutter, der Eierstöcke, der Eileiter, der Blase, der Harnleiter und des Darms auftreten und die Empfängnis beeinträchtigen, indem sie die Freisetzung der Eizellen aus dem Eierstock behindern, Anomalien in der Gebärmutter verursachen oder die Eileiter verschliessen und somit verhindern, dass die Spermien mit der Eizelle in Kontakt kommen.
  • Entzündungen: Mit steigender Zahl der Entzündungen wird das Umfeld aufgrund der toxischen Auswirkungen der Entzündungsreaktion immer ungünstiger. Dies wirkt sich negativ auf verschiedene Körperfunktionen aus, die die Empfängnis beeinträchtigen können: von der Eizellenproduktion, verschlossenen Eileitern und der Embryonalstruktur bis hin zur Qualität und Funktion der Spermien.
  • Störung des Eisprungs und der Eizellproduktion: Endometriosezysten im Eierstock (Endometriome) können sowohl die Eizellproduktion und den Eisprung als auch die ovarielle Reserve (ein Vorrat an unreifen Eizellen) beeinträchtigen. Darüber hinaus können Frauen, die sich einer Operation zur Entfernung der Endometrioseherde oder Verwachsungen im Bereich des Eierstocks unterzogen haben, aufgrund der Schädigung des Eierstocks eine geringere Eizellreserve aufweisen. Ein verminderter Eisprung beeinträchtigt die Chancen auf eine Empfängnis.
  • Gestörte Einnistung der reifen Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut: Hormone beeinflussen die Dicke der Gebärmutterschleimhaut und bereiten sie jeden Monat darauf vor, dass sich eine Eizelle einnistet und sich zu einem Embryo entwickelt. Wenn durch die Endometriose ein hormonelles Ungleichgewicht besteht, kann sich die Gebärmutterschleimhaut nicht entwickeln oder die Eizelle nicht aufnehmen und heranwachsen lassen.

Wenn deine Fruchtbarkeit durch die Endometriose beeinträchtigt wird, solltest du mit deinen Ärztinnen oder Ärzten sprechen.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Frauen haben Endometriose?

Man schätzt, dass 6-10 % der Frauen im gebärfähigen Alter an Endometriose leiden. Diese Zahl könnte jedoch deutlich höher liegen, da die Diagnose und der Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung für viele Frauen weltweit eingeschränkt sind.

Wann macht sich Endometriose bemerkbar?

Am häufigsten sind Frauen im Alter zwischen 30 und 40 Jahren betroffen, die Krankheit kann aber auch schon mit dem Einsetzen der Menstruation auftreten.

Verursachen grössere Endometrioseherde mehr Schmerzen als kleine?

Nein, die Grösse der Endometrioseherde korreliert nicht immer direkt mit der Schmerzintensität der betroffenden Person. Vielmehr richten sich die Schmerzen nach der Lokalisation der Herde, wie stark sie mit anderem Gewebe verwachsen sind (tiefinfiltrierende Endometriose), Verwachsungen oder ob Nerven eingebunden sind.

Wie verändert sich Endometriose in den Wechseljahren?

Endometriose betrifft Frauen vorrangig vor der Prämenopause, wobei sich die Symptome in den Wechseljahren häufig verbessern. Dennoch sind 2 bis 4 % der postmenopausalen Frauen von Endometriose-Symptomen betroffen.

Fazit

Endometriose zu erkennen ist nicht immer leicht. Im Durchschnitt dauert es knapp 7 Jahre, bis Endometriose diagnostiziert wird. Mindestens ein Drittel der Frauen mit Endometriose haben einen unerfüllten Kinderwunsch. Typische Anzeichen von Endometriose sind starke Schmerzen während der Periode (aber auch davor oder danach), Schmerzen beim Wasserlassen, Unfruchtbarkeit oder Eileiterschwangerschaften.

Die Erkrankung kann durch ein MRI und/oder eine Bauchspiegelung relativ sicher bestätigt oder ausgeschlossen werden. Je nach Lokalisation lässt sich die Endometriose auch durch Ultraschall oder eine Tastuntersuchung erkennen.

Wenn du mit Endometriose schwanger werden möchtest, stehen dir verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Unsere empathischen Kinderwunschärzte führen alle notwendigen Untersuchungen durch und unterstützen dich bestmöglich auf deinem Weg zum Wunschkind.

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