Hypogonadismus führt zu einer verminderten Hormonausschüttung bei Männern und Frauen. Erfahre, wie die Erkrankunge behandelt wird und was du selbst tun kannst.

Key Facts

  • Hypogonadismus kann bei Männern und Frauen auftreten (Östrogen- und Progesteronmangel)
  • Männer mit Übergewicht und Diabetes Typ 2 sind häufiger davon betroffen
  • Man unterscheidet zwischen primärem und sekundärem Hypogonadismus
  • Altershypogonadismus oder Late-Onset-Hypogonasimus beginnt meist ab dem 50. Lebensjahr
  • Bei Kinderwunsch sollte kein Testosteron als Therapie angewendet werden

Einleitung

Auch wenn der Begriff “Hypogonadismus” in der Öffentlichkeit kaum erwähnt wird, ist es ein häufiger Grund für einen unerfüllten Kinderwunsch. Hypogonadismus führt zu einem Hormonmangel und zu Beeinträchtigungen der Fruchtbarkeit bei Männern als auch Frauen. Es wird davon ausgegangen, dass etwa 35 % der Männer über 45 Jahre und 30-50 % der Männer mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes an Hypogonadismus leiden.

Als Folge des Hormonmangels ist die Geschlechtsentwicklung gestört, bei Erwachsenen bilden sich die sekundären Geschlechtsmerkmale (zum Beispiel die Schambehaarung) zurück und es kann Unfruchtbarkeit (Infertilität) auftreten. Bei Jugendlichen mit Hypogonadismus kommt es zu einer verzögerten Pubertätsentwicklung oder diese bleibt ganz aus.

Im folgenden Artikel konzentrieren wir uns vorrangig auf Hypodonadismus beim Mann und erklären dir, welche Ursachen es für Hypogonadismus gibt und wie die Diagnose und Behandlung erfolgen.

Was ist Hypogonadismus?

Hypogonadismus ist eine endokrine Erkrankung und bezeichnet eine Unterfunktion der Keimdrüsen (Gonaden). Sie kann sowohl bei Männern als auch Frauen auftreten. Bei Männern äussert sich die Erkrankung durch einen Testosteronmangel und/oder eine geringe Spermienproduktion, bei Frauen durch einen Östrogen- und Progesteronmangel.

Was ist der Unterschied zwischen einem primären und sekundären Hypogonadismus?

Der Hauptunterschied zwischen einem primären und sekundären Hypogonadismus liegt in der Ursache des Hormonmangels. Dieser wird durch eine Störung der Funktion der Hoden oder Eierstöcke (primärer Hypogonadismus) oder eine Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse (sekundärer Hypogonadismus) hervorgerufen.

Im Folgenden möchten wir auf den männlichen Hypogonadismus eingehen und dir einen Überblick über die beiden Formen des Hypogonadismus geben:

Primärer Hypogonadismus (hypergonadotroper Hypogonadismus) Sekundärer Hypogonadismus (hypogonadotroper Hypogonadismus)
Ursache Störung in den Hoden selbst (z.B. durch Hodenhochstand, Klinefelter-Syndrom) Funktionsstörung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse (HHA-Achse) (z.B. Hypophysentumor, Kallmann-Syndrom)
Folge Verminderte Testosteronproduktion und Produktion von Spermien Verminderte Produktion von LH und FSH, durch fehlende Stimulation der Hoden zur Produktion von Testosteron und Spermien
Behandlung Testosteronersatztherapie Hormonersatztherapie (Gonadotropine, Testosteron), Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen (z. B. Tumor)

Was sind die Ursachen von Hypogonadismus?

Wenn wir die Ursachen für Hypogonadismus beim Mann betrachten, müssen wir zwischen den beiden Formen (primärer Hypogonadismus und sekundärer Hypogonadismus) unterscheiden.

Ursachen primärer Hypogonadismus

Beim primären Hypogonadismus liegt anders als beim sekundären Hypogonadismus keine Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse vor; die Störung tritt direkt in den Hoden auf, die deshalb nicht ausreichend Testosteron produzieren. Dafür gibt es folgende Gründe:

Genetische Ursachen:

  • Klinefelter-Syndrom: Bei dieser Erkrankung liegt eine Anomalie der Geschlechtschromsomen vor, so dass ein Mann nicht nur ein X- und ein Y-Chromosom hat, sondern mindestens ein zusätzliches X-Chromosom. Dies führt dazu, dass sich die Hoden nicht normal entwickeln und zu wenig Testosteron produziert wird. Es ist die häufigste genetische Ursache des primären Hypogonadismus bei Männern (bei Frauen ist es das Turner-Syndrom).
  • Noonan-Syndrom: Charakteristisch beim Noonan-Syndrom sind Hodenhochstand und schlecht bzw. nicht entwickelte Leydig-Zellen, die für die Produktion von Testosteron zuständig sind.

Hodenfunktionsstörungen:

  • Hodenhochstand (Kryptorchismus): Normalerweise entwickeln sich die Hoden im Bauchraum und wandern dann vor der Geburt in den Hodensack. In einigen Fällen geschieht dies jedoch nicht. Der Zustand kann sich dann in den ersten Lebensjahren von selbst korrigieren. Ist dies nicht der Fall, können Hodenunterfunktion und niedriger Testosteronspiegel die Folge sein.
  • Hodenverletzungen: Traumata oder Operationen an den Hoden können zu einer Schädigung des Hodengewebes führen.
  • Infektionen: Infektionen der Hoden (Orchitis), z.B. Mumps, können zu einer Schädigung des Hodengewebes führen.
  • Autoimmunerkrankungen
  • Chemotherapie oder Strahlentherapie

Ursachen sekundärer Hypogonadismus

Der sekundäre Hypogonadismus entsteht durch eine Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse (HHA-Achse). Bei einer normal funktionierenden HHA-Achse produziert der Hypothalamus das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) und gibt es in den Blutkreislauf ab. GnRH erreicht die die Hypophyse (Hirnanhangdrüse), wo es zur Produktion der folgenden Hormone anregt:

FSH und LH erreichen die Gonaden und stimulieren dort die Produktion der folgenden Sexualhormone:

Beim sekundären Hypogonadismus liegt eine Störung der Hypophyse oder des Hypothalamus vor, wodurch die Produktion von GnRH beeinträchtigt wird.

Dies führt zu einem Mangel an LH und FSH aus der Hypophyse, was wiederum die Hodenfunktion und die Testosteronproduktion beeinträchtigt.

Folgende Erkrankungen können ursächlich für einen sekundären Hypogonadismus sein:

Hypophysenfunktionsstörung:

  • Hypophysentumor
  • Hypophysenadenom
  • Hypophyseninsuffizienz
  • Sheehan-Syndrom

Hypothalamusfunktionsstörung:

  • Kallmann-Syndrom: Etwa zwei Drittel der angeborenen Fälle werden durch das Kallmann-Syndrom verursacht.
  • Idiopathischer hypogonadotroper Hypogonadismus
  • Hyperprolaktinämie
  • Prader-Willi-Syndrom
  • Unterernährung
  • Übergewicht
  • Medikamente
  • Diabetes mellitus

Weitere Ursachen

  • Alter (Altershypogonadismus): Es ist völlig natürlich, dass ältere Männer einen niedrigeren Testosteronspiegel haben als jüngere, da die Testosteronproduktion mit dem Alter langsam und kontinuierlich abnimmt. So haben 20 % der Männer über 60, 30 % der Männer und 70 und 50 % der Männer über 80, einen Testosteronspiegel, der niedriger als der Referenzbereich ist.
  • Lebererkrankungen
  • Nierenversagen

Was sind die Symptome von Hypogonadismus?

Die Symptome des Hypogonadismus können je nach Art (primär oder sekundär), Schweregrad und Alter des Betroffenen variieren.

Allgemeine Symptome:

  • Verminderte Libido (sexuelles Verlangen)
  • Verminderte Körperbehaarung
  • Erektile Dysfunktion (Erektionsstörungen)
  • Verminderte Fruchtbarkeit
  • Verringerte Muskelmasse und -kraft
  • Zunahme von Körperfett
  • Müdigkeit und Energiemangel
  • Depressionen und Stimmungsschwankungen
  • Schlafstörungen
  • Hitzewallungen
  • Verminderte Knochendichte
  • Gynäkomastie (Brustvergrösserung bei Männern)

Zusätzliche Symptome bei primärem Hypogonadismus:

  • Verzögerte Pubertät
  • Kleinwuchs
  • Fehlen von sekundären Geschlechtsmerkmalen

Zusätzliche Symptome bei sekundärem Hypogonadismus:

  • Kopfschmerzen
  • Sehstörungen
  • Überempfindlichkeit gegen Kälte

Wie erfolgt die Diagnose bei Hypogonadismus?

Hypogonadismus wird durch eine Blutuntersuchung bestimmt, bei der der Testosteronspiegel (Gesamttestosteron, freies Testosteron) sowie der Spiegel der Gonadotropine FSH und LH gemessen werden. Während sich die FSH- und LH-Spiegel je nach Form (primär, sekundär) unterscheiden, ist der Testosteronspiegel immer niedrig.

Die Diagnose von Hypogonadismus erfolgt durch einen Arzt und beinhaltet verschiedene Schritte:

Anamnese und körperliche Untersuchung:

  • Erfassung der Symptome und Krankengeschichte
  • Körperliche Untersuchung zur Beurteilung der sekundären Geschlechtsmerkmale und anderer körperlicher Merkmale

Blutbild:

Die Blutuntersuchung des Testosteronspiegels wird idealerweise morgens durchgeführt, da der Testosteronspiegel im Laufe des Tages schwanken kann und morgens in der Regel am höchsten ist. Häufig wird der Test zweimal durchgeführt, um das Ergebnis zu bestätigen.

  • Messung des Testosteronspiegels (bei Männern); der Referenzwert liegt bei 10-35 nmol.
  • Messung des Östrogen- und Progesteronspiegels (bei Frauen);
  • Messung der Gonadotropine (LH und FSH)
  • Messung anderer Hormone, die bei der Diagnose von Hypogonadismus hilfreich sein können (z.B. Prolaktin, Schilddrüsenhormone)

Weitere Untersuchungen:

  • Ultraschalluntersuchung der Hoden
  • Hodenbiopsie
  • MRI des Hypothalamus und der Hypophyse
  • Gentests

Wie kann Hypogonadismus behandelt werden?

Bei Jungen kann die rechtzeitige Diagnose und Behandlung der Erkrankung dazu beitragen, eine verzögerte Pubertät und die damit verbundenen Folgen zu verhindern. Bei Männern hat die Behandlung Einfluss auf:

  • Wiederherstellung der Libido und der sexuellen Funktion
  • Aufbau oder Erhalt der Virilisierung (erwachsene männliche Merkmale wie Gesichtsbehaarung)
  • Optimierung der Knochendichte und Vorbeugung gegen Osteoporose
  • Wiederherstellung der Fruchtbarkeit im Falle von sekundärem Hypogonadismus
  • Verbesserung der Kraft
  • Stabilisierung der Stimmung

Zu den Behandlungsmöglichkeiten des Hypogonadismus gehören:

Testosteronersatztherapie

In Fällen, in denen die Hauptbeschwerde eine niedrige Testosteronproduktion ist, besteht die Möglichkeit einer Behandlung mit einer Testosteronersatztherapie, die in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich ist:

  • Pflaster: Sie werden auf die Haut geklebt, in der Regel auf den Oberarm, den Bauch oder den Oberschenkel, und können 24 Stunden lang kontinuierlich Testosteron an das Blut abgeben. Eine häufige Nebenwirkung sind Hautreizungen.
  • Gel: Dieses wird auf die Haut ausserhalb des Genitalbereichs aufgetragen. Es wird empfohlen, es morgens aufzutragen, um eine Testosteronkonzentration zu erreichen, die das normale zirkadiane Muster nachahmt, bei dem Testosteron morgens am höchsten ist.
  • Implantate: Diese werden chirurgisch eingesetzt und geben über einen Zeitraum von drei bis sechs Monaten langsam Testosteron ab.
  • Intramuskuläre Injektionen: Diese werden häufig im Abstand von zwei bis vier Wochen in das Gesäss oder die Beine verabreicht. Sie können jedoch in den ersten Tagen nach der Verabreichung zu abnorm hohen Testosteronspiegeln und am Ende des Dosierungsintervalls zu abnorm niedrigen Spiegeln führen.
  • Tabletten: Testosteronpräparate in Tablettenform sind mit bestimmten Nebenwirkungen verbunden, darunter Magen-Darm-Probleme, Akne und die Entwicklung von Brustgewebe (Gynäkomastie).

Männer, die eine Testosterontherapie benötigen, sollten mit ihrem Arzt darüber sprechen, welche Darreichungsform für sie geeignet ist.

Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Testosteronersatz für Männer mit unmittelbarem Kinderwunsch keine gute Wahl ist. Denn die Verabreichung von exogenem Testosteron (das nicht vom Körper produziert wird) kann den negativen Rückkopplungsmechanismus der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse aktivieren, der die Freisetzung von GnRH, FSH und LH hemmt und die Spermienproduktion beeinträchtigt, was zu Unfruchtbarkeit führt.

Gonadotropin-Therapie

Die Gonadotropintherapie ist die wichtigste Behandlungsmöglichkeit für Männer mit sekundärem Hypogonadismus und verminderter Spermienzahl, die ihre Fruchtbarkeit verbessern möchten. Gonadotropine sind synthetische Formen der vom Hypothalamus und/oder der Hypophyse produzierten Hormone, wie FSH und LH. Sie tragen dazu bei, die Spermatogenese auf die gleiche Weise zu stimulieren wie körpereigene Hormone. Sie können durch subkutane oder intramuskuläre Injektion verabreicht werden.

In einer Studie wurden 112 Männern mit niedrigem Testosteronspiegel, niedrigem FSH- und LH-Spiegel und ohne Spermien im Ejakulat (Azoospermie) LH- und FSH-Analoga als Hormonersatztherapie verabreicht. Im Laufe des Beobachtungszeitraums waren bei 96 der 112 Männer (85,7 %) Spermien in ihrem Ejakulat nachweisbar.

Die Wirkung trat jedoch nicht sofort ein, sondern es vergingen durchschnittlich 9,48 Monate vom Beginn der Behandlung bis zum Auftreten von Spermien. Von den Studienteilnehmern, bei denen die Spermatogenese ausgelöst wurde, wünschten sich 70 auch ein Kind; 48 (66,6 %) von ihnen gelang es, mit ihren Partnerinnen ohne weiteren Eingriff schwanger zu werden, wobei die durchschnittliche Zeit bis zur Schwangerschaft 21 Monate betrug.

Veränderungen des Lebensstils

In den Leitlinien der britischen Gesellschaft für Endokrinologie und der Europäischen Akademie für Andrologie (EAA ) wird empfohlen, dass bei Männern mit Hypogonadismus mit Übergewicht oder Adipositas, eine Änderung des Lebensstils und eine Gewichtsabnahme der erste Ansatz zur Lösung der Störung sein sollten. Durch eine Gewichtsabnahme kann der niedrige Testosteronspiegel verbessern. Zu den allgemeinen Vorschlägen für Änderungen der Lebensstils gehören:

  • Gewichtsreduzierung, wo dies angebracht ist
  • Einhaltung einer gesunden Ernährung
  • Mässige sportliche Betätigung
  • Verbesserung der Schlafdauer und -qualität
  • Verringerung von Stress

Fazit

Bei Männern erfüllen die Hoden zwei wichtige Funktionen: die Produktion von Testosteron und die Produktion von Spermien. Bei einer Hodenunterfunktion oder einem männlichen Hypogonadismus können diese Prozesse negativ beeinflusst werden. Die Ursache für diese Störung kann entweder im Gehirn oder in den Hoden selbst liegen. Die Fruchtbarkeit kann durch einen verminderten Sexualtrieb und eine verminderte Spermienproduktion beeinträchtigt werden, was jedoch in einigen Fällen durch eine Behandlung mit Gonadotropinen wiederhergestellt werden kann. Wenn ein niedriger Testosteronspiegel und seine Auswirkungen das Hauptproblem darstellen, können Männer eine Reihe von Optionen für eine Testosteronersatztherapie in Betracht ziehen.

Bei Cada hat sich unser Team auf die männliche und weibliche Fruchtbarkeit spezialisiert. Wir haben ein offenes Ohr für deine Sorgen und Wünsche und helfen dir bei der Suche nach individuellen Lösungen. Sichere dir deinen persönlichen Wunschtermin für ein kostenloses Beratungsgespräch.