Du hast deinen AMH-Wert schwarz auf weiss und fragst dich, ob er gut oder schlecht ist. Die kurze Antwort: Das Anti-Müller-Hormon zeigt, wie viele Eizellen in deinen Eierstöcken noch vorhanden sind, nicht wie gut sie sind. Für die Qualität zählt vor allem dein Alter.

Das Wichtigste in Kürze

  • AMH ist ein Mengen-Marker. Er schätzt die Eizellreserve, sagt aber nichts über die genetische Qualität der Eizellen.
  • Typische Werte (Median): rund 18–25 pmol/l mit 30, etwa 11–14 pmol/l mit 35 und meist unter 7 pmol/l mit 40.
  • Schweizer Labore geben AMH meist in pmol/l an, viele deutsche Seiten in ng/ml. 1 ng/ml entspricht etwa 7.14 pmol/l.
  • Ob du auf natürlichem Weg schwanger wirst, lässt sich aus dem AMH allein nicht vorhersagen.
  • Hormonelle Verhütung wie die Pille kann den Wert senken.

Was misst das Anti-Müller-Hormon?

AMH misst, wie gross dein Vorrat an Eizellen noch ist. Gebildet wird das Hormon von den Zellen kleiner, heranwachsender Eibläschen (Follikel) im Eierstock. Je mehr dieser Follikel vorhanden sind, desto höher fällt der Wert aus.

Diesen Vorrat nennen Ärztinnen und Ärzte die ovarielle Reserve. Er ist schon bei der Geburt angelegt und erneuert sich nie, er wird also mit jedem Jahr kleiner. Neben dem AMH-Wert schätzen wir die Reserve mit einem Ultraschall ab: Dabei zählen wir die sichtbaren kleinen Follikel, den sogenannten antralen Follikelcount (AFC).

Beide Messungen beantworten dieselbe Frage: Wie viele Eizellen sind noch da? Die Frage nach der Qualität beantworten sie nicht. Dazu weiter unten mehr.

Welcher AMH-Wert ist in welchem Alter normal?

Einen festen «Normalwert» gibt es nicht. Der AMH-Wert sinkt mit dem Alter, und die Streuung zwischen Frauen gleichen Alters ist gross. Aussagekräftiger ist deshalb der Vergleich mit dem typischen Wert (Median) deiner Altersgruppe.

AlterTypischer AMH-Wert (Median) in pmol/lentspricht etwa ng/ml
30 Jahre18–252.5–3.5
35 Jahre11–141.5–2.0
40 Jahremeist unter 7meist unter 1.0

Quelle: Nastasia & Masciocchi, «Eizellen einfrieren: Was die Praxis wissen sollte» (Cada, 2026). ng/ml-Werte umgerechnet mit dem Faktor 7.14.

Achte auf die Einheit. Schweizer Labore geben AMH meist in pmol/l an, viele deutsche Ratgeber in ng/ml. Ein Wert von «14» bedeutet in pmol/l einen typischen Wert für Mitte 30. In ng/ml wäre er extrem hoch.

Liegt dein Wert deutlich unter dem Median deiner Altersgruppe, ist deine Reserve kleiner als bei Gleichaltrigen. Das ist keine Diagnose, aber ein Grund, das Thema Familienplanung nicht aufzuschieben. Liegt er darüber, hast du mehr Eizellen als der Durchschnitt. Das ist eine gute Ausgangslage, aber keine Garantie.

Du hast einen Wert und weisst nicht, was er für dich bedeutet? In unserer Fruchtbarkeitsanalyse ordnen wir deinen AMH-Wert zusammen mit Ultraschall und weiteren Hormonwerten ein.

Was sagt der AMH-Wert nicht?

Der AMH-Wert sagt nichts darüber, ob eine Eizelle genetisch gesund ist. Diese Qualität hängt fast ausschliesslich vom Alter ab. Mit den Jahren steigt der Anteil der Eizellen, die zu Embryonen mit einer falschen Anzahl Chromosomen führen. Das ist der häufigste Grund, warum sich ein Embryo nicht einnistet oder es zu einer Fehlgeburt kommt.

Alter der FrauAnteil chromosomal auffälliger Embryonen
26–30 Jahreca. 20–27 %
36–37 Jahreca. 35 %
38–40 Jahreca. 40–55 %
41–42 Jahreca. 60–70 %
ab 43 Jahrenüber 80 %

Quelle: grosse PGT-Datensätze, u.a. Franasiak et al., Fertility and Sterility 2014; zusammengefasst in Nastasia & Masciocchi (2026).

Eine 39-Jährige mit einem für ihr Alter hohen AMH-Wert hat also viele Eizellen, aber nicht jüngere. Unsere Ärztinnen formulieren es in ihrem Fachartikel für Gynäkologinnen und Hausärzte so:

«Ein normaler AMH-Wert ist keine Versicherung gegen altersbedingte Subfertilität.»
– Dr. med. (I) Cristina Nastasia & Dr. med. (I) Maddalena Masciocchi, Cada Kinderwunschklinik Zürich

Auch die Chance, auf natürlichem Weg schwanger zu werden, lässt sich aus dem AMH nicht ablesen. Innerhalb einer Altersgruppe hängt sie von anderen Dingen ab: einem regelmässigen Eisprung, durchgängigen Eileitern und der Spermienqualität deines Partners. In einer US-Studie mit 750 Frauen zwischen 30 und 44 Jahren, die gerade versuchten, schwanger zu werden, hing ein niedriger AMH-Wert nicht mit einer geringeren Chance auf eine Schwangerschaft zusammen (Steiner et al., JAMA 2017).

Lohnt sich ein AMH-Test für zuhause?

Ein Heimtest liefert eine Zahl, aber keine Antwort. Dr. med. (I) Maddalena Masciocchi, Fachärztin für Reproduktionsmedizin bei Cada, sieht diesen Trend kritisch:

«Besonders kritisch sehe ich, dass Hormonwerte wie das Anti-Müller-Hormon direkt an Konsumentinnen vermarktet werden. Dieser Wert beschreibt die Anzahl der verbleibenden Eizellen, nicht ihre Qualität, und er prognostiziert die spontane Konzeptionswahrscheinlichkeit nicht. Ein Zahlenwert ohne ärztliche Einordnung verunsichert mehr, als er hilft.»

Ein niedriger Wert mit 32 kann Panik auslösen, obwohl die Eizellen in diesem Alter meist noch von guter Qualität sind. Ein guter Wert mit 38 kann in falscher Sicherheit wiegen. Beides lässt sich nur im Zusammenhang mit Alter, Ultraschall, Zyklus und Lebensplanung sinnvoll deuten.

Was tun bei einem niedrigen AMH-Wert?

Ein niedriger AMH-Wert heisst: Die Zeit ist knapper als bei Gleichaltrigen. Was daraus folgt, hängt von deiner Situation ab.

Du wünschst dir jetzt ein Kind: Lass dich zeitnah abklären, und zwar zusammen mit deinem Partner. Bei einer kleinen Reserve lohnt es sich selten, lange abzuwarten. Je nach Befund ist eine IVF der direktere Weg, weil sie pro Zyklus mehrere Eizellen nutzt.

Dein Kinderwunsch liegt noch in der Zukunft: Dann ist jetzt der Moment, über das Einfrieren von Eizellen nachzudenken. Die Eizellen, die du heute hast, sind die besten, die du je wieder haben wirst. Mehr dazu, in welchem Alter Social Freezing am meisten bringt.

Du wünschst dir mehrere Kinder: Auch dann spricht ein niedriger Wert dafür, früher zu planen. Für zwei oder drei Kinder braucht es entsprechend mehr Eizellen oder Embryonen.

Eine Hormonbehandlung kann die Zahl der Eizellen erhöhen, die in einem Zyklus heranreifen. Die Reserve selbst und die Qualität der Eizellen verändert sie nicht. Dr. Masciocchi bringt die Grenze auf den Punkt:

«Was sich nicht machen lässt, ist ebenso wichtig: Die hormonelle Stimulation steuert die Anzahl der gewonnenen Eizellen, nicht deren Qualität. Diese ist altersgebunden und durch kein Verfahren rückholbar. Das ist die Grenze, an der jede Behandlung endet.»

Was bedeutet ein hoher AMH-Wert?

Ein hoher Wert bedeutet in der Regel eine grosse Eizellreserve. Für Social Freezing ist das eine gute Ausgangslage, denn pro Zyklus lassen sich mehr Eizellen gewinnen, und oft reichen weniger Zyklen.

Sehr hohe Werte (über etwa 28 pmol/l) kommen gehäuft beim polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) vor. Dabei reifen viele kleine Follikel heran, der Eisprung bleibt aber oft aus. Ob ein PCOS vorliegt, zeigen erst Zyklusgeschichte, Ultraschall und weitere Hormonwerte. Mehr dazu in unserem Artikel Trotz PCO schwanger werden.

Wann und wie wird AMH gemessen?

AMH wird mit einer einfachen Blutentnahme bestimmt. Anders als die meisten Zyklushormone schwankt AMH im Monatsverlauf nur wenig, die Messung ist deshalb an jedem Zyklustag möglich (J Clin Endocrinol Metab, 2006).

Zwei Dinge können den Wert verfälschen:

  • Hormonelle Verhütung. Die Pille kann den AMH-Wert senken. Wenn du gerade verhütest, sag es deiner Ärztin. Sie bezieht es in die Deutung ein.
  • Ein einzelner Messwert. AMH kann sich innerhalb weniger Jahre deutlich verändern, besonders ab Mitte 30. Ein Wert von vor drei Jahren ist kein guter Massstab für heute.

Aus unserer Praxis

Bei Cada messen wir AMH nie allein, sondern immer im Rahmen der Fruchtbarkeitsanalyse: Blutwerte wie AMH, FSH, LH, Estradiol und Vitamin D, ein Ultraschall von Eierstöcken und Gebärmutter inklusive Antralfollikelzahl und bei Bedarf ein Spermiogramm deines Partners. Die Ergebnisse liegen innerhalb von 7 Tagen vor. Wir besprechen sie in der Befundbesprechung mit dir, und du siehst sie auch in der Cada-App.

Das Erstgespräch ist kostenfrei. Die Fruchtbarkeitsanalyse kostet CHF 950 für Frauen und CHF 680 für Männer und wird in der Regel von der Krankenkasse erstattet.

Lass deinen AMH-Wert ärztlich einordnen. Im kostenfreien Erstgespräch klären wir, ob eine Fruchtbarkeitsanalyse für dich sinnvoll ist und was dein Wert für deine Pläne bedeutet.

Häufige Fragen zum AMH-Wert

Wie hoch sollte der AMH-Wert mit 35 sein?

Der typische Wert (Median) liegt mit 35 bei etwa 11–14 pmol/l, das entspricht rund 1.5–2.0 ng/ml. Werte darunter bedeuten eine kleinere Reserve als bei Gleichaltrigen, aber nicht automatisch Unfruchtbarkeit.

Kann man den AMH-Wert verbessern?

Nein. Es gibt keine Methode, die die Eizellreserve wieder auffüllt. Ernährung, Nahrungsergänzung oder Sport erhöhen den Wert nicht nennenswert, auch wenn das online manchmal anders dargestellt wird.

Wie viel kostet ein AMH-Test in der Schweiz?

Bei Cada ist der AMH-Wert Teil der Fruchtbarkeitsanalyse für CHF 950. Die Krankenkasse erstattet die Kosten in der Regel. Einen isolierten AMH-Test bieten wir bewusst nicht an, weil der Wert allein zu wenig aussagt.

Kann ich mit einem niedrigen AMH-Wert schwanger werden?

Ja. Ein niedriger AMH-Wert bedeutet weniger Eizellen, nicht automatisch Unfruchtbarkeit. Er ist aber ein Grund, nicht lange zu warten und sich zusammen mit dem Partner abklären zu lassen.

Sagt ein hoher AMH-Wert etwas über meine Chancen bei einer IVF?

Er zeigt, wie viele Eizellen in einem Zyklus voraussichtlich gewonnen werden können. Wie viele davon zu gesunden Embryonen werden, hängt aber vor allem vom Alter ab.

Quellen

  1. Nastasia C., Masciocchi M.: Eizellen einfrieren: Was die Praxis wissen sollte. Cada Kinderwunschklinik Zürich, 2026.
  2. Franasiak J.M. et al.: The nature of aneuploidy with increasing age of the female partner. Fertility and Sterility, 2014. doi.org/10.1016/j.fertnstert.2013.11.004
  3. Steiner A.Z. et al.: Association Between Biomarkers of Ovarian Reserve and Infertility Among Older Women of Reproductive Age. JAMA, 2017;318(14):1367–1376. jamanetwork.com
  4. Anti-Müllerian hormone levels in the spontaneous menstrual cycle do not show substantial fluctuation. J Clin Endocrinol Metab, 2006;91(10):4057–63. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16804046