Eine Überstimulation ist zwar relativ selten, aber die Symptome können schwerwiegend sein. Warum es zu einer Überstimulation kommen kann und was du dagegen tun kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Wenn du im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung Hormone einnimmst, um die Entwicklung der Eibläschen (Follikel) und den Eisprung zu stimulieren, ist es wichtig, dass du dich über mögliche Nebenwirkungen informierst. Das ovarielle Überstimulationssyndrom oder “Ovarian Hyper Stimulation Syndrome” (OHSS) ist eine seltene Nebenwirkung der hormonellen Stimulation der Eierstöcke, die jedoch schwerwiegend und sogar lebensbedrohlich sein kann, wenn sie unbehandelt bleibt. Im Folgenden gehen wir ausführlich auf das OHSS sowie dessen Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten ein.

Was ist eine Überstimulation?

Das OHSS ist eine seltene Erkrankung, die durch eine Vergrösserung der Eierstöcke, eine hohe Konzentration von Sexualsteroiden wie Östrogen (Östradiol) und Progesteron sowie durch Flüssigkeitsansammlungen, die aus den Blutgefässen innerhalb und in der Umgebung des Eierstocks austreten, gekennzeichnet ist.

OHSS tritt vor allem als Reaktion auf eine Hormonbehandlung oder auf Fruchtbarkeitsmedikamente auf, die im Rahmen einer Kinderwunschbehandlung mit Hormongabe wie einer In-vitro-Fertilisation (IVF), einer Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) oder Ovulationsinduktionstherapie auftreten.

Was sind die Auslöser für OHSS?

Bei der kontrollierten Stimulation der Eierstöcke werden Medikamente eingesetzt, um das Wachstum und die Reifung mehrerer Follikel in den Eierstöcken zu fördern und so einen erfolgreichen Eisprung oder eine Follikelpunktion für die Eizellentnahme herbeizuführen.

Es gibt verschiedene Formen von Medikamenten, die im Rahmen der Hormonbehandlung verabreicht werden können. Meist handelt es sich um injizierbare Gonadotropine, die auf die Hypophyse im Gehirn einwirken und diese veranlassen, luteinisierendes Hormon (LH) und follikelstimulierendes Hormon (FSH) auszuschütten. Diese Hormone regen den Follikel direkt zum Wachstum und zur Reifung an.

Zusätzlich zu den Gonadotropinen können Frauen Agonisten oder Antagonisten des Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH) verabreicht werden, die die vorzeitige Freisetzung von LH aus der Hirnanhangdrüse kontrollieren und einen vorzeitigen Eisprung verhindern.

Der letzte Schritt besteht in der Verabreichung von humanem Choriongonadotropin (hCG) in einer einmaligen Dosis nach kontrollierter Stimulation der Eierstöcke, die den LH-Anstieg nachahmt und den Eisprung auslöst.

Man geht davon aus, dass das Auftreten des OHSS auf die Exposition gegenüber hCG zurückzuführen ist, das die Follikel zur Freisetzung von Substanzen veranlasst, die die Gefässpermeabilität erhöhen (die Fähigkeit der Blutgefässe, Flüssigkeit und Moleküle durch die Gefässewände hindurchzulassen). Diese erhöhte Gefässdurchlässigkeit führt dazu, dass Flüssigkeit aus den Blutgefässen in die umliegenden Hohlräume und das Gewebe austritt; insbesondere die Eierstöcke beginnen aufgrund der Flüssigkeitsansammlung anzuschwellen.

Die Veränderungen in der Flüssigkeitsdynamik können sich auf die Elektrolyte (Natrium, Kalium) und Proteine im Blut auswirken, was wiederum Auswirkungen auf verschiedene Körperfunktionen haben und eine Vielzahl von Symptomen hervorrufen kann.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Überstimulation?

Mit der zunehmenden Durchführung von Kinderwunschbehandlungen in den letzten Jahrzehnten, haben Reproduktionsmediziner und -medizinerinnen ein geschärftes Bewusstsein für die Erkennung erster Anzeichen von OHSS entwickelt und können so früh eingreifen und die Therapie entsprechend anpassen oder abbrechen, um Komplikationen so weit wie möglich zu reduzieren.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) beträgt das Risiko, nach assistierter Reproduktion ein Hyperstimulationssyndrom zu entwickeln, 0,2 bis 1 %. Es ist jedoch schwierig, die Inzidenz von mildem OHSS zu beurteilen, da es häufig unerkannt bleiben und sich von selbst zurückbilden kann.

Falls sich die Symptome nach der Follikelentnahme (Punktion) weiter verstärken, wird oft dazu geraten, die befruchteten Eizellen einzufrieren und den Embryotransfer zu verschieben, bis die Beschwerden abgeklungen sind.

Anzeichen und Symptome bei OHSS

Das OHSS wird in drei Schweregrade eingeteilt - mild, moderat und schwer - und kann bereits bei der Stimulationsbehandlung oder auch erst ab der Punktion auftreten. Die Symptome für jede Schweregradkategorie sind wie folgt:

Mildes OHSS:

  • Blähungen und Spannungsgefühl im Unterleib
  • Übelkeit
  • Durchfall
  • Leichte Gewichtszunahme
  • Vergrösserte Eierstöcke

Moderates OHSS (zusätzlich zu den leichten Symptomen können folgende Symptome auftreten):

  • Vergrösserter Bauchumfang
  • Erbrechen
  • Dunkler Urin
  • Mangelndes Wasserlassen
  • Durstgefühl
  • Schmerzen oder Unwohlsein im Bereich der Eierstöcke

Schweres OHSS (umfasst die Merkmale eines milden und moderaten OHSS):

  • Niedriger Blutdruck
  • Übermässige und schnelle Gewichtszunahme (>1 kg in 24 Stunden)
  • Spannungsgefühl in der Brust und im Oberkörper
  • Kurzatmigkeit
  • Schmerzen in der Brust
  • Dunklerer Urin oder vollständiges Ausbleiben des Wasserlassens
  • Heftige Unterleibsschmerzen
  • Venenthrombose
  • Unausgeglichener Elektrolytehaushalt (insbesondere Natrium und Kalium)

Komplikationen

Obwohl es sich häufig um milde bis moderate Fälle handelt, die sich innerhalb von 1 bis 2 Wochen von selbst zurückbilden (aber länger andauern, wenn eine Schwangerschaft eintritt), kann eine schwere Form des OHSS zu Komplikationen führen, wie z. B.:

  • Eierstocktorsion - durch Anschwellen des Eierstocks und Verdrehen aus seiner üblichen Position
  • Ungleichgewicht der Elektrolyte
  • Ruptur einer Eierstockzyste
  • Flüssigkeitsansammlungen in der Brust und im Unterleib
  • Atembeschwerden
  • Blutgerinnsel
  • Nierenversagen
  • Erhöhtes Risiko für ungünstige Schwangerschaftsverläufe und niedriges Geburtsgewicht
  • In extrem seltenen Fällen kann es tödlich verlaufen

Risikofaktoren

Bei einigen Frauen besteht ein höheres Risiko, ein OHSS zu entwickeln. Folgende Erkrankungen stehen im Zusammenhang mit einem erhöhten OHSS-Risiko:

Wie erfolgt die Diagnose einer Überstimulation?

Bei der hormonellen Stimulation werden die Eierstöcke und die Entwicklung der Eizellen in regelmässigen Abständen durch Ultraschallkontrollen untersucht. Insbesondere bei Frauen mit bestimmten Risikofaktoren achten die Ärztinnen und Ärzte genaustens auf jedes Anzeichen, das auf ein OHSS hindeuten könnte. Folgende Untersuchungen werden durchgeführt, um ein OHSS zu diagnostizieren:

  • Körperliche Untersuchung: Im Rahmen einer körperlichen Untersuchungen wird dich der Arzt oder die Ärztin nach Anzeichen und Symptomen (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Schmerzen, Blähungen usw.) befragen und deinen Bauchumfang messen. Der Unterbauch wird auf Anzeichen von Schwellungen und Druckempfindlichkeit untersucht.
  • Ultraschalluntersuchung: Bei einer transvaginalen Ultraschalluntersuchung können eventuelle Flüssigkeitsansammlungen in den Eierstöcken und im Bauchraum (Aszites) festgestellt werden. Auch die Grösse der Eierstöcke wird gemessen und, falls sichtbar, die Anzahl und Grösse der Eibläschen überprüft.
  • Blutuntersuchung: Durch eine Blutabnahme können verschiedene Blutwerte ermittelt werden. Dazu gehören beispielsweise Elektrolyte, Proteine, Hormone und Anteil der Blutzellen in Relation zum Blutvolumen (Hämatokrit). Es wird nach Anzeichen für Hämokonzentration (erhöhte Blutkonzentration), Hypoproteinämie (verminderter Bluteiweissspiegel) und Hyperkoagulabilität (erhöhte Blutgerinnungsneigung) gesucht. Auch die Nieren- und Leberfunktion wird überprüft.

Behandlung einer Überstimulation

Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad des OHSS und der Dauer der Symptome. Leichte Fälle von OHSS klingen oft von selbst ab, sobald die Menstruation einsetzt. In mittelschweren bis schweren Fällen ist jedoch eine engmaschige Überwachung und Behandlung erforderlich, vor allem, wenn eine Schwangerschaft eintritt. Zu den Behandlungsstrategien gehören:

  • Tägliche Überwachung der Symptome, des Bauchumfangs und des Gewichts
  • Regelmässige Bluttests
  • Messung der täglich ausgeschiedenen Urinmenge
  • Absaugen der Flüssigkeit (Parazentese): Dies geschieht häufig unter Narkose, wobei eine spezielle Nadel in den Bauch oder durch die Vagina eingeführt wird, um die Flüssigkeit aus dem Bauchraum und den Eierstöcken abzusaugen. Mit Hilfe von Ultraschall können die abzusaugenden Bereiche sichtbar gemacht werden, um Verletzungen der Eierstöcke und der umliegenden Gewebe und Organe zu vermeiden.
  • Bei einer schweren Überstimulation können Frauen unter Umständen in ein Krankenhaus eingewiesen werden, wo sie Hormone zur Unterdrückung der Eierstockaktivität und gerinnungshemmende Mittel zur Verhinderung von Blutgerinnseln erhalten. In seltenen Fällen kann ein OHSS zu einer Verletzung des Eierstocks oder einer Eierstocktorsion (Verdrehung) führen, was eine Operation zur Folge hat.

Wie kann man einer Überstimulation vorbeugen?

Das OHSS ist eine der schwerwiegendsten Komplikationen der hormonellen Stimulation der Eierstöcke. Die Reproduktionsmediziner bei Cada wissen durch eine umfangreiche Anamnese und Untersuchung im Rahmen einer Fruchtbarkeitsanalyse genau, welche Frauen ein erhöhtes Risiko haben, das Syndrom zu entwickeln. Tritt das Syndrom dennoch auf, wird der Verlauf genauestens überwacht werden, insbesondere wenn es mit einer Schwangerschaft einhergeht.

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Nach der Follikelpunktion im Rahmen einer IVF oder ICSI sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (2-3 Liter) geachtet werden. Getränke mit Kohlensäure sollten möglichst vermieden werden.
  • GnRH-Agonisten: Mehrere Studien haben sich mit der Art des Stimulationsprotokolls und den damit verbundenen Risiken für OHSS befasst. Im Allgemeinen kann die Verwendung eines anderen Medikaments zum Auslösen des Eisprungs, eines so genannten GnRH-Agonisten (Gonadotropin-Releasing-Hormon), anstelle von hCG das OHSS-Risiko verringern und sollte bei Patientinnen mit Risikofaktoren für OHSS, wie z. B. Frauen mit PCOS, in Betracht gezogen werden.
  • Dopamin-Agonisten: Die erhöhte Gefässdurchlässigkeit, die bei OHSS auftritt, kann die Freisetzung verschiedener Substanzen auslösen, die für den Körper toxisch sein und übermässige Entzündungen verursachen können. Studien haben gezeigt, dass Dopamin-Agonisten (z. B. Cabergolin) auf eine Reihe von Rezeptoren einwirken können, die von diesen freigesetzten Stoffen beeinflusst werden, und die Entwicklung eines OHSS verhindern können, insbesondere bei nicht schwangeren Frauen mit hohem OHSS-Risiko.
  • Aspirin: Zur Verbesserung der Probleme, die sich aus der erhöhten Gefässdurchlässigkeit ergeben, kann durch eine tägliche niedrig dosierte Einnahme von Aspirin ab Beginn der Stimulation bis zur Eizellentnahme oder der Menstruation das Auftreten eines schweren OHSS verringert werden.
  • Metformin: Speziell für Frauen mit PCOS, die sich einer Stimulation der Eierstöcke unterziehen, hat sich gezeigt, dass Metformin das Risiko der Entwicklung eines schweren OHSS verringert.

Fazit

Ein OHSS ist zwar selten, kann aber schwerwiegend sein, wenn es doch auftritt. Wenn du dich einer künstlichen Befruchtung unterziehst und Medikamente zur Stimulierung der Eierstöcke eingenommen hast, solltest du wissen, dass es in seltenen Fällen zu einem OHSS kommen kann.

Wenn bei dir eines der genannten Symptome auftritt, solltest du unbedingt deinen Arzt oder deine Ärztin konsultieren. In einigen Fällen kann es dann ratsam sein, die Therapie abzubrechen oder das Medikament zu wechseln.

Um bestens über den Gesundheitszustand und mögliche Vorerkrankungen Bescheid zu wissen, empfehlen wir allen unseren Patienten eine umfassende Fruchtbarkeitsanalyse. Die Ergebnisse liegen bereits nach 7 Tagen vor und die Kosten werden in vielen Fällen von der Krankenkasse erstatten.

Unser einfühlsames Team bei Cada wird dich umfassend zu möglichen Risiken einer Kinderwunschbehandlung beraten und dich im Rahmen der Stimulationsbehandlung engmaschig kontrollieren, um das Risiko so klein wie möglich zu halten.

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